Rudolf von Hoschek Biographie

RUDOLF FRANZ DE PAULA FREIHERR HOSCHECK VON MÜHLHAIM(B). (1887-1976)

SAMMLER, MÄZZÄN UND VOM  „ALTEN BÖHMISCHEN ADEL“

Rudolf (Franz de Paula) Freiherr Hoschek von Mühlhaimb wurde am 22. August 1887 in Prag, als Sohn des Rudolf (Wilhelm Herrmann) Fh. H. v. M. zu Fürts-Walden und Herbersdorf, und der Gattin Helene Kießwetter geboren. Der Jurist begann seine Kariere als Rechtsanwalt in Graz und bezeichnete sich im späteren Wohnsitz in Wien–Hietzing als Großindustrieller. Bekannt ist, dass er Vertreter von Saatgut der deutschen Firma Büchting in Österreich war. Zweiter Wohnsitz  nach Prag war das Schloß Lustbühel bei Graz, das bereits sein Vater bewohnte. Lustbühel wurde später in eine Sommerfrische und in ein Erholungsheim umgewidmet, diente aber als Urlaubsdomizil der Familie bis zum Verkauf des Schlosses. Die Tochter des Sammlers, Gelmara beschreibt ihren Vater als typischen Familienmenschen, der immer ein offenes Haus – nun im 13. Bezirk in Wien – für Freunde und Sammler hatte. Oft zu Gast waren Dr. Anselm Weissenhofer (FUßNOTE WER WAR DAS) und der Künstler Hans Toni Schimek (FUßNOTE). Von Schimek gibt es noch Photos in der Familie, die Gelmara und den Künstler beim Skifahren zeigen. Der Sammler war Gourmet, spielte mit Begeisterung Tennis und nahm seine Kinder oft zu Wanderungen in die Berge mit. Ein beliebtes Ausflugziel war die Tiroler Bergwelt. Ein wichtiger Bestandteil des Familienlebens war das gemeinsame Musizieren. Rudolf  Hoschek von Mühlhaimb und seine Gattin spielten Klavier, wie auch Gelmara, ihre Brüder Helfried und Fritz Violine. Wie es da so in der Auhofstraße 26 zugegangen ist, lässt sich im ÖEG Jahrbuch 31/1936 (SEITE) nachlesen:

„Den Abschluß des Vereinsjahres bildete am 4. Juni 1936 eine gesellschaftliche Veranstaltung in der Hietzinger Villa unseres Mitgliedes Dr. Rudolf Freiherr von Hoscheck-Mühlhaimb, die unter tätiger Mithilfe seiner Gemahlin, einen sehr animierten Verlauf nahm. Trotz der ungünstigen Witterung war es möglich, den großen Teil des Festes im Freien abzuhalten. Die Feier, zu welcher unsere Gesellschaft mit der hier abgebildeten, von Emil Bröckl neu in Holz geschnitte, reizende Karte eingeladen hatte, begann mit einer Besichtigung der interessanten Sammlungen Baron Hoschecks; zur Jause, die wieder in Form eines Picknicks stattfand, hatten die Hausfrau und ein Damenkomitee reichlich Beiträge geliefert. Nachher gab es im Garten anmutige Vorführungen der Tanzgruppe Tussi Bogner, die allgemeinen Beifall fand, und bei denen auch ein Töchterchen des Hausherrn (Gelmara) mitwirkte. Um den musikalischen Teil des Abends erwarben sich Komponist Max (von) Lilienau und Geigenvirtuose Drevo besondere Verdienste. Ein schon in vorgerückter Stunde vom Herrn Präsidenten Hans Ranzoni mit bewährtem Geschick und Humor geleiteter Verkauf von Exlibris und Gebrauschsgraphiken zu Gunsten des Ausstellungsfonds brachte einen namhaften Betrag.“

Gelmara Wetteskind geb. Hoscheck  erinnert sich gerne an dieses Fest. Nach der Darbietung von modernen Tanzstücken wurden Exlibrisstilleben von den Kindern nachgestellt! Am Klavier war „Helmesberger“, aus der berühmten Musikerfamilie. Das wird vermutlich nicht mehr geklärt werden können.

Der Sammler und Mäzen war zwar kein Mitglied der legendären  „Tischgesellschaft“ um 1903, ist aber seit 1907 als Mitglied der ÖEG nachweisbar, und hat bis zu seinem Tode am 19.11.1976 unsere Gesellschaft entscheidend mitgeprägt. Mit seiner ersten Erwähnung im Jahrbuch 5/1907 der ÖEG, in der Rubrik „Wirkliche Mitglieder“, bietet Hoschek bereits drei Eigenblätter zum Tausch an: ein Kl. von L. Rheude, ein Kl. von C. Schadewaldt und eine Radierung von Helma Fischer (in Vorbereitung).

Wie aktiv der Sammler war, lässt sich im Jahrbuch 10/1912 nachlesen, da bietet er bereits 6.000 Doubletten zum Tausch an!

Aktive Verantwortung im Vorstand nahm der Sammler ab 1913, als Schriftleiter der Jahrbücher 11/1913 und 12/1914. Später diente er als Beirat des Vorstandes von 7.3.1935 bis 13.4.1939, und ab diesem Zeitpunkt als Vorstand-Stellvertreter bis Januar 1946. 24 Aufsätze in Jahrbüchern und Mitteilungsblättern, und 13 Vorträge im Rahmen der Gesellschaft dokumentieren eine eingehende, wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema der Graphik im allgemeinen.

Ein unersätzliches Unikat ist die überlieferte, fünfseitige Beschreibung der Sammlungen von  Hoscheck von Mühlhaimb, die von Hofrat Prof. Dr. Hans Ankwicz-Kleehoven im Jahr 1956 verfasst wurde. Er erwähnt ca. 160.000 Blätter, davon entfallen ca. 90.000 auf Exlibris. Bei dieser Auflistung der Sammlungen dürfte es sich um ein Verkaufsangebot handeln, der Schlusstext von Ankwicz-Kleehoven lautet nämlich:

„Als ehemaliger Direktor der Bibliothek des Österreichischen Museums, der Bibliothek des Kupferstichkabinetts der Akademie hatte ich auch amtlich mit all jenen Kunstgebieten zu tun, denen Dr. Hoscheck in fünfzigjähriger Sammeltätigkeit den größten Teil seiner Freizeit und seines Vermögens geopfert hat. Dass dieses Opfer nicht umsonst gewesen sei und das Ergebnis seines rastlosen Bemühens nicht wieder in alle Winde zerstreut werde, muss der aufrichte Wunsch jedes Kunstfreundes und vor allem jedes Sammlungsleiters sein, der weiß, welche Unsumme von Geld und Mühe notwendig ist, um eine derartige Kollektion, wie sie weder in Wien noch anderwärts in gleichem Umfange vorhanden ist, zustande zu bringen. Ich würde es daher aufs lebhafteste begrüßen, wenn sie unserer Heimat zur Gänze erhalten bliebe, und ist meines Erachtens der von Dr. Hoscheck in Aussicht genommene Preis von 1,2 Millionen S nicht unangemessen. Wien, am 26,Feber 1956, Hofrat Prof. Dr. Hans Ankwicz-Kleehoven, Generalstaatsbibliothekar a. D, Wien VII. Florianigasse 20“

 

Der Wunsch, dass diese ungewöhnliche Sammlung zusammenbleibe, ist nicht in Erfüllung gegangen. Nach dem Tode des Sammlers wurde die Sammlung verkauft. Einzelne Blätter wurden in einer nicht mehr vorhandenen Galerie am Opernring verkauft. Jetzt (2005) werden Briefe von Dr. Hoscheck in einem deutschen Internet-Exlibrisantiquariat angeboten

Nachruf in Mitteilungen der ÖEG, Neue Folge, 16.Jg. Nr 1,2, Seite ?? von Josef Reisinger

PUBLIKATIONEN DES SAMMLERS.

 24 AUFSÄTZE IN JAHRBÜCHERN UND MITTEILUNGSHEFTEN DER ÖSTER- REICHISCHEN EXLIBRIS GESELLSCHAFT ZWISCHEN 1914 UND 1957.

„Österreichische Ärzte-Exlibris von 1500-1870“. Jb. 1914, 21.

„Das Bücherzeichen des Paul Pesel“. Jb. 1938,1.

„Nochmals Österreichs ältestes Holzschnitt-Exlibris“. Jb. 1936, 21.

„Ein Wiener Bischofsexlibris von 1524“. Jb. 1938,21.

„Neuerwerbungen alter Exlibris der Wiener Nationalbibliothek“. Jb. 1939, 10.

 „Der geschmückte Brief vor 1890“ ÖEG Jb. 1957.

„Österreichs Wirken auf dem Gebiet der Exlibriskunst“. Jb. 1954/55, 24.

„Zur Geschichte der österreichischen Kleingraphik seit 1900“ ÖEG Jb. 1954/55

„Exlibris-Ausstellung, Wien Frühjahr 1913“. Jb. 1913, 5.

„Vier neue Exlibris von Enst Krahl“. Jb. 1913,48.

“Guido B. Stella“. Jb. 1913, 54.

 “Die Exlibris der Familie Kress von Kressenstein”. Jb. 1914,5.

„Ein unbekanntes Exlibris des XVI. Jahrhunderts“. Jb. 1914, 20.

„Neue Bücherzeichen von Alfred Cossmann“. Jb. 1914, 35.

„Richard Müller“. Jb. 1915,35.

„Sepp Frank“. Jb. 1916,67.

„Österreichs ältestes Holzschnitt-Exlibris“. Jb. 1935,8.  

„Gebrauchsgraphik – Gelegenheitsgraphik I.,“  Die Systematik der graphischen Kunst. ÖEG Mitt. Nr 5, Okt. 1938. 

„Gebrauchsgraphik – Gelegenheitsgraphik II.,“  Die Systematik der graphischen Kunst. ÖEG Mitt. Nr 1,1, Jänner 1939.

„50 Jahre Exlibris Verein zu Berlin“. Mitt. Nr. 3, 1, November 1941.  

„Das Exlibris als Sammelobjekt“  Mitt. 8.Jg. Nr.2,2 NF und Mitt 11 Jg. Nr. 2,3 NF

„Das Exlibriswerk Maximilian Liebenweins“. Mitt. Nr. 2, 1, 22. Jg. NF

„Dr. Franz Wibiral“ (Nachruf). Jb. 1914, 42.   

 + Buchbesprechungen in Mitteilungen d. ÖEG.

13 VORTRÄGE ZWISCHEN 1932 und 1956.

5.11.1931 ( Bd. 27/1932): Das religiöse Moment im modernen Exlibris

1.2.1934 (Bd29/1934): Persönliches im alten österreichischen Exlibris.

4.4.1935 (Bd. 30/1935): Humor und Witz im Exlibris

9.1.1936 (Bd. 31/1936): Gebrauchsgraphik im Notariats- und Wechselwesen.

2.3.1939  Mitt. d. Wiener Exlibris-Gesellschaft, Nr. 1, 3. Jg. Jänner 1939: Der Graphiker Hans Volkert

15.2.1940 Mitt: d. Wiener Exlibris-Gesellschaft, Nr. 1, 4. Jg., Jänner 1940: Bücherzeichen berühmter

                Männer und Frauen.

13.2.1941 Mitt d. ÖEG Nr. 1, 5 Jg. Jänner 1941: Festgraphik aus der Zeit des Klassizismus.

9.4.1942  Rundschreiben d. Wiener Exlibris-Gesellschaft, Nr. 2. Juni 1942: Künstlerische Graphik im

                Papiergeld.

9.11.1950 Mitt. d. ÖEG NF. Nr. 1, 6. Jg., April 1951: Supralibros

5.4.1951   Mitt d. ÖEG NF, Nr. 1, 7. Jg. April 1952: Moderne deutsche Exlibris

4.2.1954   Mitt. d. ÖEG NF, 8. Jg., Dez. 1954: Persönlichkeiten des Theaters und der Literatur im

                Exlibris.

14.4.1955 Mitt. d. ÖEG NF, Nr. 1, 11. Jg., April 1956: Der Rokokostil im europäischen Exlibris.

12.1.1956 Mitt. ÖEG NF, Nr. 1, 12. Jg., April 1957: Der Bücherfluch

 

EIGENBLÄTTER:

In den öst Publikationen scheinen nur 5 Eigenblätter auf.

Ade, Mathilde; Jb. 8/1910, (Kl) 

Otto Feil PF Jb. 1940, S 41 mit Hackenkreuz

Helma Fischer, Jb. 6/1908, (Rad)

Lorenz Rheude, Jb. 4. S 65. (Kl)

Schadewaldt C. E., Buenos Ayres. Jb. 5, S 47 (Kl)

Schimek Jb 1939

Wilm, Jb. 10/1912, (Rad)

Woyty Wimmer  Jb.1935

Eigenblätter aus dem Gutenberg Eigner-Katalog:

Hoschek  A. Rudolfi:     Schadewaldt (G9538ff)  

Hoschek  Frh. v.:            Kunst (B5485f)

Hoschek R.:                    Woyty-Wimmer (B9994)

Hoschek Rud. Frh. v.:    Kunst (B5470)

Hoschek Rud. v.:            Kunst (G6348)

Hoschek  Rudolf von:    Ade (B938, G13588)

Hoschek Rudolf von:      Fischer-Oels (B3068, G2754)

Hoschek Rudolf von:      Rheude (G38022)

Hoschek-Mühlhaimb:           Rheude (w308)

Hoschek-Mühlhaimb  R. v.: Rheude (B7622)

Hoschek-Mühlhaimb v.:       Woyty-Wimmer (G13208)

Blätter für Familienangehörige:

Hoschek, Dietlinde Freiin v.:       Kunst (B5489)

Hoschek, Elfriede Freiin v.:         Kunst (B5487, Abb 257)

Hoschek, Liesl v.:                         Kunst (B5435, Abb 256)

Hoschek-Mühlhaimb, Elfriede v.:Schimek (G9794)

In Klammern gesetzt sind die Präsenznummern des Gutenberg-Kataloges.

AUSSTELLUNG:

Im Kupferstichkabinett am Joaneum in Graz veranstaltete sein verdienstvoller Vorstand Dr. Wibiral im März u. April 1912 eine Ausstellung mit über 700 erlesenen Blättern. Das meiste Material hatten Frl. Rosa Adamus in Montpreis und Dr. Rudolf Baron v. Hoschek, Graz, Schloss Lustbühel aus Ihren großen Sammlungen geliehen.

Langer Artikel über die Ausstellung im Jb. 10/1912 S 73-78.   

Montpreis lag in der Steiermark, nun: Planina pri Sevnici, Slowenien (Burg Planina, vor Zagreb)

Literatur:

Persönliche Erinnerungen (mündlich) von Gelmara Wetteskind geb. Hoscheck, erzählt bei einem Besuch des Autors.

Mitteilungen und Jahrbücher der ÖEG

Die Informationen für Publikationen und Vorträge wurden aus der hervorragenden Arbeit: „Hundert Jahre Österreichische Exlibris-Gesellschaft, ein Arbeitsbuch und ein Versuch sie in Tabellen zu fassen,“  von Dr. Ottmar Premstaller, St. Georgen a. d. Gusen 2004, zitiert.

Wittal, Claus: Eignerverzeichnis zum Exlibris-Katalog des Gutenberg-Museums. Wiesbaden: Wittal, 2002.  www.exlibrisart.com

Am Photo sind:

Hinten v. l n. r.: Arthur, Dietlinde, Erich, mit Abstand Elfriede.

Vorne v. l. n. r.: Fritz, Gelmara, Rudolf (der Sammler), Helene,

Rudolf (V. v. Rudolf dem Sammler), Elisabeth u. Helfried. 

 

Erstellt von Peter Rath ©, Wien  2oo5 – 2020.